Zwei-Kanal-HD-Videoinstallation
2020
8:00 Min.
BUG HUNTING AKA FURIOUS GAMES- Installationsaufnahme aus der Ausstellung "Interplay - Steam & Games" im Neuen Kunstverein Wuppertal, 2020, Foto: Christian Alhborn
BUG HUNTING AKA FURIOUS GAMES- Installationsaufnahme aus der Ausstellung "Interplay - Steam & Games" im Neuen Kunstverein Wuppertal, 2020
BUG HUNTING AKA FURIOUS GAMES ist als Zwei-Kanal-Videoinstallation angelegt, die weniger „Jugendkultur“ abbildet, als die Bedingungen ihrer Sichtbarkeit und ihres Sprechens freilegt. In wechselnden Bildkonstellationen erscheinen junge Gamer*innen vor den Kulissen ihrer Videospiele und sprechen Textfragmente aus ihren Lieblingsfilmen: aus The Walking Dead und Fast & Furious. Das Zitat fungiert dabei nicht als Referenz, die auf ein Original verweist, sondern als Sprache zweiter Ordnung – als vorgeformtes Vokabular für Situationen, in denen eigene Worte fehlen. Was wie ein spielerisches Nachsprechen beginnt, kippt in ein Modell dafür, wie Subjektivität sich heute über verfügbare Skripte organisiert: Heldensätze als Stützkonstruktionen, die dort greifen, wo Familie, Zugehörigkeit, Nähe als brüchig erfahren werden.
Die visuelle Organisation orientiert sich an einer YouTube-Ästhetik der Überlagerung: mehrere Bild- und Tonebenen, Bild-im-Bild, Einschübe, Versatzstücke, das permanente Mitlaufen von Kulisse und Kommentar. Diese Form ist nicht bloß Stilmittel, sondern eine mediale Grammatik, in der sich Lebensrealität artikuliert – als gleichzeitige Präsenz von Selbstinszenierung, Beobachtung und performativer Kontrolle. Die Gamer*innen agieren wie ihre filmischen Helden, demonstrieren eine Stärke, die als Pose erkennbar bleibt: ein affektives Exoskelett, das Schutz verspricht und zugleich eine gewisse Kälte produziert.
Vor dem Hintergrund von Fortnite wird diese Stärke zur paradoxen Figur: Der heroische Gestus trifft auf eine Umgebung, die selbst schon als Bühne gebaut ist. Das „Echte“ erscheint hier nicht als Gegenpol zum Virtuellen, sondern als Effekt von Wiederholung, Timing, Anschlussfähigkeit.
Die beiden Kanäle laufen als Loops, die einander ähneln, ohne deckungsgleich zu werden; sie enthalten Abweichungen, „Fehler“. Der Bug markiert einen Riss im performativen Panzer.
So erzählt BUG HUNTING AKA FURIOUS GAMES von Verlorensein, ohne es psychologisierend zu dramatisieren: als Zustand zwischen Welten, als Bewegung in eine fremde Sphäre, die sich zur eigenen Realität verdichtet. Das Eintauchen in die Spielwelt erscheint nicht als Eskapismus, sondern als konkrete Infrastruktur für Affekt und Gemeinschaft – und zugleich als Ort, an dem Einsamkeit eine neue Form findet: geteilt, gerahmt, zitiert.
Konzept, Kamera, Ton, Schnitt: Magdalena von Rudy
Darsteller: Anton, Alex, Patrick, Selina, Jerome, Leon, Alessio
Found Footage Material: "Fast And Furious", "The Walking Dead", "The Fine Red Line", "Fortnite", "GTA"
