AIR (Bubble sculpture performance)


4K Video

2014/2018

6 Min.


AIR (BSP) - Installationsaufnahme aus der Ausstellung "d-polytop. Kunst aus Düsseldorf" in der Kunsthalle Düsseldorf, 2019, Foto: Achim Kukulies

    Dokumentation der Installation im Rahmen des Projekts "Hallraum Worringer Platz" in Düsseldorf, ©Oliver Gather

"AIR (BSP)", Installationsansicht, Hallraum Worringer Platz, Düsseldorf, 2018, Fotos: Christian Ahlborn

Eine weitere Video-Tanzperformance ist unter   V I D E O S «   S H I N I N G  zu sehen.


AIR (Bubble Sculpture Performance) entfaltet sich als Videoarbeit an der Schnittstelle von Tanz und skulpturaler Selbstfesselung: Eine Performerin bewegt sich in einem Ballonanzug, dessen Volumen jede Impulsivität zugleich ermöglicht und blockiert. Der Körper erscheint hier nicht als souveräner Träger von Ausdruck, sondern als ein System unter Druck, das seine Bewegungen gegen die widerspenstige Materialität des Auftriebs, der Reibung, der Instabilität behaupten muss. Was sich ereignet, ist deshalb weniger „Tanz“ im Sinne choreografischer Formgebung als ein fortgesetztes Aushandeln zwischen Organischem und Objekt: ein Ringen, das Bewegung auf ihre elementaren Voraussetzungen zurückführt und ihr den Charakter einer rituellen, tranceähnlichen Praxis zuschreibt.

 

Der Verzicht auf Choreografie, auf einstudierte Gesten und repetierbare Sequenzen, setzt an die Stelle der kontrollierten Figur eine Logik der Improvisation, die im permanenten Kontakt mit dem Material entsteht. In einzelnen Einstellungen kippt die Performanz in ein Moment der Bedrohung: Die Performerin „kämpft“ mit dem Anzug, wirkt gehetzt, animalisch, dann wieder martialisch codiert – als ostasiatischer Krieger – oder als monströse, Godzilla-artige Figur. Diese wechselnden Lesarten sind weniger narrative Rollen als Projektionen, die aus dem Spannungsverhältnis zwischen Körperbild und Überformung hervorgehen: Der Ballonanzug produziert ein instabiles Zwischenwesen, das zugleich verletzlich und übermächtig erscheint.

 

Die Soundebene setzt mit einem Herzschlag ein, der nicht bloß atmosphärisch rahmt, sondern als innere Taktung auftritt – als würde der Rhythmus aus dem Körper selbst nach außen dringen. Im Verlauf verdichtet sich das Material zu einem Cluster aus selbst hergestellten Samples sowie Instrumenten- und Stimmaufnahmen. Rhythmen, Soundartefakte und Alltagsgeräusche werden zu einem komplexen Geräuschgefüge verschaltet; ein Parameter treibt den anderen an, steigert ihn, verschiebt die Dynamik. Entscheidend ist dabei die Umkehrung des Verhältnisses von Bewegung und Musik: Nicht die Soundspur illustriert die Performance, sondern die Bewegungen fungieren als Partitur, nach der sich die Komposition organisiert. AIR inszeniert so eine Kopplung von Körper und Klang, in der sich Affekt, Materialwiderstand und Wahrnehmung zu einem einzigen, sich selbst antreibenden System verschränken.

 

credits

Performance: Magdalena von Rudy

DOP: Justyna Feicht

Balloon Suit Designer: Hakan Eren

Schnitt, Musik: Magdalena von Rudy

Tonmischung: Emanuel Hoisl

Standfotos: Anja Eder